Die größten britischen Mobilfunkanbieter unterstützen App- und Website-Entwickler dabei, das Alter von Nutzern leichter zu verifizieren und Betrug zu verhindern. Der Schritt folgt auf neue Sicherheitsgesetze und wachsende Sorgen über Online-Betrügereien, die die Briten im vergangenen Jahr mehr als 11 Milliarden Pfund gekostet haben.
BT/EE, Virgin Media O2, Vodafone und CK Hutchison (Three) haben neue Dienste angekündigt, mit denen Online-Plattformen die Identität ihrer Nutzer schnell und sicher überprüfen können. Anstatt Menschen aufzufordern, Ausweisdokumente hochzuladen oder lange Formulare auszufüllen, nutzen die Prüfungen bereits von den Mobilfunkanbietern verifizierte Informationen wie das Geburtsdatum oder die Dauer der Nutzung einer Handynummer.

Die Werkzeuge kommen in Form von APIs (Anwendungsschnittstelle – einfache digitale Schnittstellen, die Entwickler in Apps oder Websites einbinden können). Die ersten beiden, die jetzt verfügbar sind, lauten:
- Know Your Customer (KYC) Age Verification (Kenne-deinen-Kunden Altersverifizierung) – bestätigt, ob jemand alt genug ist, um auf eingeschränkte Inhalte oder Dienste zuzugreifen.
- KYC Tenure (Kenne-deinen-Kunden Nutzungsdauer) – zeigt an, ob eine Handynummer über einen längeren Zeitraum aktiv war, was es Betrügern erschwert, brandneue SIM-Karten für Betrugsversuche zu nutzen.
- Später in diesem Jahr wird ein drittes Werkzeug mit dem Namen KYC Match (Kenne-deinen-Kunden Abgleich) eingeführt, das Unternehmen ermöglicht, Kundendaten (wie Name und Postleitzahl) mit den Datensätzen der Mobilfunkanbieter abzugleichen – ohne dabei persönliche Daten offenzulegen.
Diese neuen Dienste basieren auf CAMARA, einem globalen Open-Source-Projekt, das gemeinsame Standards für Telekom-APIs festlegt. Man kann es sich wie einen universellen „Stecker“ vorstellen, der mit jedem Mobilfunkanbieter weltweit funktioniert. Dank CAMARA kann ein Entwickler im Vereinigten Königreich denselben Alters- oder Betrugs-API-Typ nutzen wie in Europa, Asien oder den USA, ohne alles von Grund auf neu zu entwickeln.
Warum tun die Anbieter das?
Mobilfunkanbieter verfügen bereits über vertrauenswürdige Kundendaten, da Menschen beim Abschluss eines Handyvertrags einen Ausweis vorlegen müssen. Damit sind sie in einer guten Position, um bei der Online-Alters- und Identitätsprüfung zu helfen.
Das Timing ist kein Zufall:
- Das neue britische Gesetz zur Online-Sicherheit tritt offiziell in Kraft. Es verpflichtet Plattformen dazu, die Verbreitung illegaler Inhalte zu verhindern und Kinder vor schädlichem Material zu schützen.
Ein zentrales Element des Gesetzes sind die Kinderschutz-Verhaltenskodizes, die am 25. Juli 2025 in Kraft traten. Diese Kodizes verpflichten Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten dazu, robuste Altersverifizierungssysteme einzusetzen und Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor schädlichen Inhalten zu ergreifen.
Plattformen, die diese Pflichten nicht erfüllen, riskieren Geldstrafen von bis zu 18 Millionen Pfund (~24 Millionen US-Dollar) oder 10 % ihres Jahresumsatzes – je nachdem, welcher Betrag höher ist. - Betrug nimmt zu. Im Jahr 2024 wurde jeder siebte Brite Opfer von Betrügern, was laut einer Untersuchung der Globalen Anti-Betrugs-Allianz zu einem geschätzten Schaden von 11,4 Milliarden Pfund (~15,3 Milliarden US-Dollar) führte.

Mit diesen APIs wollen die Anbieter das Online-Leben sicherer machen, Betrug reduzieren und Nutzern reibungslosere Erlebnisse bieten – zum Beispiel die Anmeldung bei einer App, ohne endlose Ausweisformulare ausfüllen zu müssen.
Wie Henry Calvert, Leiter Netzwerke bei der GSMA, erklärte, haben britische Mobilfunkanbieter und Banken bereits mit Scam Signal – einem Teil von Vodafones API-Suite – gute Ergebnisse erzielt. Unternehmen können diese APIs in ihre Systeme integrieren. Sie analysieren Echtzeitdaten aus Mobilfunknetzen, um das Risiko von Transaktionen zu bewerten.
Nun gehen sie einen Schritt weiter.
„Diese kontinuierliche Zusammenarbeit der britischen Anbieter stellt einen bedeutenden Schritt zum Schutz der Verbraucher dar, gewährleistet die Einhaltung neuer Sicherheitsgesetze und schafft mehr Vertrauen in die digitale Wirtschaft“,
sagt Johanna Wood, Direktorin für Netzwerk-APIs bei der Vodafone Group.
Schnell erklärt: So funktionieren Alters- & Betrugsprüfungen über Mobilfunk
1. Kein Ausweis-Upload nötig
Statt Reisepass oder Führerschein zu scannen, nutzt das System die Daten, die dein Mobilfunkanbieter bereits hat (z. B. dein Geburtsdatum bei Vertragsabschluss).
2. Datenschutz an erster Stelle
Persönliche Details werden nicht mit Websites geteilt. Der Mobilfunkanbieter antwortet nur mit „ja“ oder „nein“ auf Alters- oder Identitätsprüfungen.
3. Sofortige Ergebnisse
Da die Prüfung über das Mobilfunknetz läuft, ist sie schnell, nahtlos und schwerer von Betrügern zu fälschen.
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