Eine aufrüttelnde neue Untersuchung hat gezeigt, dass Online-Erpressung eine weit verbreitete Gefahr für Kinder im gesamten Vereinigten Königreich darstellt. Sie bestätigt, dass jeder zehnte Elternteil angibt, dass sein Kind im Internet erpresst wurde.
Die Untersuchung, für die 2.558 Eltern und Betreuungspersonen im Vereinigten Königreich befragt wurden, liefert „einen klaren Beleg“ dafür, dass es sich um ein ernstes und wachsendes Problem handelt. Eltern fühlen sich verantwortlich dafür, ihre Kinder zu schützen, glauben aber, dass sie von den mächtigen Akteuren – der Regierung und großen Technologieunternehmen – im Stich gelassen werden, die eigentlich eine sicherere digitale Welt schaffen sollten.
Kritische Momente
Die Untersuchung „A collective concern: parent and carer views on the online blackmail of children and young people“ (Ein gemeinsames Anliegen: Ansichten von Eltern und Betreuern zur Online-Erpressung von Kindern und Jugendlichen) dient als deutliche Warnung an Organisationen, darunter die National Society for the Prevention of Cruelty to Children (NSPCC), dass die Fähigkeit der Eltern, Online-Erpressung zu erkennen und damit umzugehen, dringend gestärkt werden muss. Die Studie betont, dass die Verhinderung dieser Art von Missbrauch einen starken, zielgerichteten Einsatz von allen Beteiligten erfordert.
Das Ausmaß des Problems: Fast jeder zehnte Elternteil (9 %) berichtete, dass das eigene Kind online erpresst wurde. Darüber hinaus kennt etwa jeder fünfte Elternteil (21 %) ein betroffenes Kind und hat ihm geholfen.
Vorwürfe wegen Untätigkeit: Etwa ein Drittel der Eltern glaubt, dass die Regierung (33 % halten sie für ineffektiv) und Technologieunternehmen bzw. Plattformen (30 % halten sie für ineffektiv) nicht genug tun, um Online-Erpressung zu stoppen. Eltern sind der Meinung, dass diese Akteure stärker in die Verantwortung genommen werden müssen, um eine digitale Welt zu schaffen, die „sicher nach Design“ ist.
Kommunikationslücke: Obwohl Eltern regelmäßig über allgemeine Online-Sicherheit sprechen, schweigen sie oft zu der konkreten Bedrohung durch Erpressung. Zwei von fünf Elternteilen (40 %) geben an, selten oder nie über Online-Erpressung mit ihren Kindern zu sprechen.
Wissen vs. Handeln: Eltern fühlen sich in der Regel sicher, ihre Kinder emotional (89 %) und praktisch (85 %) zu unterstützen, wenn sie erpresst werden. Die Studie legt jedoch nahe, dass dieses Vertrauen möglicherweise zu groß ist. Beunruhigend ist, dass Eltern, die bereits einem Opfer geholfen hatten, deutlich häufiger angaben, sie würden versuchen, mit dem Erpresser zu sprechen (22 % gegenüber 9 %) oder seinen Forderungen nachzugeben (12 % gegenüber 3 %). Fachleute raten von diesen Maßnahmen in der Regel ab.
Neue Technologien, neue Bedrohungen: Die Gefahr nimmt zu, da sich Technologie stetig weiterentwickelt. Erpresser verlagern Gespräche zunehmend in private, verschlüsselte Nachrichten, was es Sicherheitssystemen erschwert, Bedrohungen zu erkennen. Noch alarmierender ist der Aufstieg von Generativer KI (Gen AI), durch die Kriminelle äußerst realistische, intime „Deepfake“-Bilder eines Kindes allein anhand normaler Fotos erstellen können – sie müssen das Kind nicht mehr dazu bringen, selbst ein ursprüngliches Bild zu senden.
Frühe Aufklärung ist entscheidend: Die meisten Eltern stimmen zu, dass Aufklärung über Online-Erpressung früh beginnen sollte, idealerweise im Alter von 8 bis 11 Jahren. Sie sehen die Hauptverantwortung dafür bei den Schulen (71 %) und bei sich selbst (69 %).
HeyLocate hat die häufigsten Online-Gefahren untersucht, die heute jeder kennen sollte:
Das Dilemma der Eltern: Schritt halten
Online-Erpressung wird definiert als „wenn jemand damit droht, Dinge über ein Kind online zu veröffentlichen, falls das Kind nicht tut, was die Person verlangt“. Der Erpresser kann private Fotos, Videos oder sogar sensible Informationen wie die sexuelle Orientierung des Kindes nutzen, um es zu zwingen, Geld, weitere Bilder zu schicken oder sich persönlich zu treffen. Dies ist eine Form von Missbrauch und gesetzlich verboten.
Eltern fühlen sich hin- und hergerissen zwischen dem Schutz ihrer Kinder und Bedrohungen, die sie nicht kontrollieren können. Auf die Frage, wie sich Risiken am besten verringern lassen, priorisierten Eltern Maßnahmen außerhalb des eigenen Zuhauses: sicherere Online-Plattformen (48 %) und Aufklärung in Schulen (46 %).
In ihrer Kritik warfen Eltern großen Technologieunternehmen vor, „Gewinn und Anteilseigner“ an erste Stelle zu setzen und nur das „Minimum“ zu tun, um Kinder zu schützen. Sie kritisierten auch die Regierung dafür, zu langsam zu handeln, und stellten fest, dass „Technologie sich schneller entwickelt, als die Regierung mithalten kann“, was dazu führt, dass Gesetze schnell veralten. Eltern fordern neue Gesetze, strengere Strafen für Technologieunternehmen und bessere Unterstützung für Opfer.
Weitere wichtige Zahlen
Im Jahr 2024 meldete das National Center for Missing and Exploited Children 29,2 Millionen einzelne Fälle von sexueller Ausbeutung von Kindern, die an die CyberTipline gesendet wurden. Die Zahl junger Menschen, die Opfer von sexueller Erpressung – allgemein als „Sextortion“ bezeichnet – wurden, ist innerhalb eines Jahres um 72 % gestiegen, wie neue Daten der Internet Watch Foundation und von Childline zeigen.
Jungen sind überproportional betroffen (85–97 % der Opfer). Am stärksten gefährdete Altersgruppe: 14–17 Jahre.
Schnelle Eskalation: Manche Fälle eskalieren innerhalb weniger als einer Stunde von einem ersten Kontakt zur Erpressung.
Internationale kriminelle Netzwerke: Überwiegend aus westafrikanischen Ländern (Nigeria, Elfenbeinküste) und Südostasien (Philippinen).
Auswirkungen auf die psychische Gesundheit: Starke Verbindungen zu Selbstverletzung und Suizid.
KI- und Verschlüsselungsbedenken: Deepfakes und verschlüsselte Nachrichten verschärfen das Problem weiter.
Untererfassung: Experten schätzen, dass nur jeder zehnte Fall gemeldet wird.
Hürden beim Zugang zu Hilfe
Trotz ihrer Sorgen gaben die meisten Eltern an, sich an die Polizei (55 %), Freunde und Familie (49 %) sowie an die Schule ihres Kindes (49 %) zu wenden, wenn ihr Kind erpresst würde. Eine große Mehrheit (86 %) sagte, dass sie den Vorfall wahrscheinlich melden würden.
Dennoch stehen Eltern vor erheblichen persönlichen Hindernissen, wenn sie versuchen, über dieses sensible Thema zu sprechen:
- Angst, das Kind zu verängstigen: Die größte Herausforderung bestand darin, dass Eltern befürchteten, überzureagieren oder ihr Kind zu verängstigen (32 %).
- Wissensdefizit: Eltern, die sich unsicher fühlten, praktische Hilfe zu leisten, nannten als Hauptproblem nicht zu wissen, welche Schritte zu unternehmen sind, um den Erpresser zu stoppen und zu melden (49 %) oder wo zuverlässige Informationen zu finden sind (44 %).
Auch junge Menschen berichteten, dass sie befürchten, ihre Eltern könnten überreagieren, ihnen die Schuld geben oder wütend werden. Sie betonten, dass sie sich im Falle einer Offenbarung ein ruhiges, unterstützendes und nicht wertendes Gespräch wünschen würden.
Die NSPCC plant, diese Erkenntnisse zu nutzen, um bessere Ressourcen zu entwickeln, darunter Projekte, die für 2026 vorgesehen sind. Eines davon wird sich speziell auf LGBTQ+-Jugendliche konzentrieren, die häufig stärker von Online-Erpressung betroffen sind.
Diese Untersuchung macht deutlich, dass Eltern zwar ihr Bestes tun, um ihre Kinder durch gefährliche digitale Gewässer zu lotsen, aber sie erwarten, dass die Schiffsbauer (Technologieplattformen) und der Hafenmeister (die Regierung) die strukturellen Mängel beheben – den fehlenden Schutz, der eigentlich im System selbst verankert sein sollte.
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